Chancen und Hindernisse der Integration von Frauen, die in Europa sexuelle Ausbeutung erleben

Abschluss des EU-Projekts „Intersectional Approach tot he Process of Integration in Europe for Survivors of Human Trafficking“ (INTAP)

Wie können Betroffene von Menschenhandel aus Nigeria und China durch spezialisierte NGOs und PraktierInnen im Integrationsprozess in Europa unterstützt werden? Diese Frage stand im Zentrum des EU-Projekts, welches Herzwerk in 2019/2020 mit Projektpartnern aus Deutschland und Italien durchführte. Durch die Einbeziehung eines kulturell sensiblen, opferzentrierten, intersektionellen Ansatzes zielte das Projekt darauf ab, Hindernisse für die Integration zu überwinden und dauerhafte Lösungen für die Integration von nigerianischen und chinesischen Drittstaatsangehörigen zu finden.

Nach einem zweijährigen Forschungsprozess wurde das Projekt am 13. Oktober 2020 mit einer finalen Konferenz in Karlsruhe abgeschlossen: Geladen waren rund 100 ExpertInnen und Fachkräfte wie spezialisierte NGOs und die Polizei aus Deutschland und Europa. Zu den Vortragenden gehörten die Forscher und Forscherinnen selbst sowie ein Podium an nationalen und internationalen Gästen aus den Bereichen Polizeiarbeit, Asylrecht und soziale Arbeit, die verschiedene Fragen rund um das Thema Integration diskutierten.

Caroline Sander

Aufgrund der Corona-Maßnahmen konnte Caroline Sander, die als Forscherin für Herzwerk in das Projekt involviert war, leider nicht zur Konferenz anreisen. Sie trug die Ergebnisse ihrer Forschung zur Integration chinesischer Betroffener jedoch über eine Live-Schaltung vor.

Kernaussage war dabei, dass sich chinesische Betroffene auf dem Weg zu ihrer Integration in die Gesellschaften der europäischen Aufnahmeländer mit vielen Stolpersteinen konfrontiert sehen – nicht nur als Drittstaatsangehörige, die Schwierigkeiten haben, einen legalen Aufenthaltsstatus zu erlangen und nur sehr begrenzten Zugang zum offiziellen Arbeitsmarkt in Europa genießen, sondern vor allem auch aufgrund einer enormen Sprachbarriere. Da sie kaum eine andere Sprache als Chinesisch sprechen und es aus verschiedenen Gründen äußerst schwierig finden, eine zweite Sprache zu erlernen, sind sie oft gefangen in, und in hohem Maße abhängig von der lokalen chinesischen Gemeinschaft.

Dennoch konnten auch einige sogenannte „good practices“ (empfehlenswerte Erfahrungen) von spezialisierten Beratungs-NGOs gesammelt werden. Hierzu gehört das Anbieten von Sprachunterricht speziell für chinesische Betroffene, das Anbieten von Übersetzung und Begleitung bei medizinischen oder aufenthaltsrechtlichen Fragen als Anknüpfungspunkt, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen sowie das Anbieten beziehungsorientierter Aktivitäten zur Erleichterung des Integrationsprozesses. Das Gesamtprojekt verdeutlichte zudem die Bedeutung sogenannter Vertrauenspersonen sowohl für Chinesinnen als auch NIgerianerinnen, die als KulturmittlerInnen eine “Brücke” zwischen den Betroffenen und der Gesellschaft im Allgemeinen schlagen.

Abschlussskonferenz

Interessierte können über folgenden Link Video-Aufzeichnungen sowie Fotos der Konferenz einsehen: https://intap-europe.eu/conference/?lang=de

Forschungsbericht auf Deutsch:

Forschungsbericht auf Französisch:

Außerdem finden sich alle veröffentlichten Forschungsergebnisse des Projekts in Form von zwei Forschungsberichten und zwei Handbüchern für die praktische Arbeit mit den beiden betroffenen Gruppen in verschiedenen Sprachen (EN, DE, FR) auf der Projekt-Homepage: https://intap-europe.eu/materialien/?lang=de

Wien, Dezember 2020