MENSCHENHANDEL

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen gibt es heute an die 30 Millionen versklavte Menschen in aller Welt – mehr als je zuvor in unserer Geschichte. Menschen werden angeworben, mit Gewalt verschleppt und getäuscht, ihre Hilflosigkeit wird ausgenutzt und sie werden auf verschiedenste Weise ausgebeutet. In Österreich, wie auch in anderen Ländern der Europäischen Union, ist die häufigste Form die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen, vor allem in der Prostitution. Die Opfer kommen aus Ländern wie Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Nigeria. Oft wird ihnen der Pass abgenommen, sie werden bedroht, überwacht und manipuliert, sodass sie nur selten fliehen oder Hilfe suchen.

Laut dem Palermo-Protokoll (Art. 3 lit. a) der Vereinten Nationen bezeichnet Menschenhandel die

Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung.

2015 wurden laut dem Jahresbericht Menschenhandel des Bundeskriminalamtes in Österreich 62 Opfer von Menschenhandel identifiziert und 67 Tatverdächtige gemäß dem entsprechenden Paragraphen § 104a des Strafgesetzbuches angezeigt. Im selben Jahr gab es in Österreich aber nur 5 Verurteilungen wegen dieses Delikts.

»  Österreichische Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel
»  Bmeia – Task Force zur Bekämpfung des Menschenhandels
»  Palermo Protokoll

PROSTITUTION

Die Prostitution, das Anbieten von sexuellen Dienstleistungen durch erwachsene Personen, ist in Österreich grundsätzlich legal. Die sogenannte „Sittenwidrigkeit“ wurde mit einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2012 aufgehoben.

Menschen, die der Prostitution nachgehen, werden aus arbeitsrechtlicher Sicht generell als Selbständige betrachtet, unabhängig von ihren tatsächlichen Arbeitsbedingungen.

Unter welchen Voraussetzungen sexuelle Dienstleistungen tatsächlich angeboten werden dürfen, fällt in die Regelungskompetenz der Bundesländer. Der Landesgesetzgeber regelt die persönlichen Voraussetzungen (vor allem die Altersgrenze), zulässige Arbeitsorte und welche Auflagen von Betrieben zu erfüllen sind. Dies hat zu einer sehr diversen Regelungslandschaft geführt.

In Österreich – so wie auch in anderen Ländern wie Deutschland und in den Niederlanden – hat man sich somit für den Versuch entschieden, die Prostitution zu regulieren. Es wird davon ausgegangen, dass besser auf die Arbeitsbedingungen Einfluss genommen werden kann, wenn es einen legalen Markt gibt.

Mittlerweile gibt es jedoch auch in Österreich eine StoppSexkauf Initiative, die sich für ein „Sexkaufverbot“ einsetzt, wie es in Ländern wie Schweden, Norwegen, Irland und Frankreich Anwendung findet.

Hier wird davon ausgegangen, dass Prostitution niemals freiwillig ist und eine Verletzung der Integrität und Würde von Frauen darstellt. Sie ist deshalb nie freiwillig, weil Frauen, die sich prostituieren, dies in den meisten Fällen aus ökonomischer Not tun, nicht weil sie Lust auf Sex mit dem entsprechenden Mann haben. In einer Gesellschaft, in der es um Gleichberechtigung und Respekt geht, sei dies jedoch ein nicht hinnehmbarer Zustand. Das Geschlechterverhältnis zwischen allen Frauen und Männern werde unterminiert. Mit Strafen müssen in diesem Modell allerdings nur Freier und Zuhälter rechnen. Frauen, die Prostitution ausüben, werden nicht bestraft, sondern erhalten Beratungs- und Hilfsangebote.

»  Prostitution | BMGF
»  StoppSexkauf Initiative
»  Das schwedische Modell des Sexkaufverbots für Dummies
»  SPACE International
»  European Women’s Lobby
»  Prostitution Research & Education | PRE

PORNOGRAFIE

Immer wieder berichten Frauen in der Prostitution uns von den besonderen Wünschen und Neigungen ihrer Kunden. Nicht selten zeigen die Männer den Frauen ein Video auf ihrem Handy mit den Worten „das will ich mit dir machen“ und „meine Freundin/Frau/Partnerin will das nicht“. Gezeigt werden sexuelle Handlungen, die brutal, schmerzhaft und zum Teil sogar gesundheitsschädigend sind. Die Frauen in der Prostitution sollen – am liebsten ohne Kondom – für Dinge herhalten, die Männer in Pornos sehen und die ihre Partnerinnen nicht mit ihnen tun möchten. Warum nehmen solche sexuellen Erwartungen zu?

Auf den ersten Blick scheint Pornografie reine Instinktsache: Sexuell eindeutige Bilder lösen Instinktreaktionen aus, die in einer jahrmillionenlangen Evolution entstanden sind. Wenn dies stimmen würde, dann müssten die pornografischen Bilder jedoch immer dieselben bleiben. Dieselben Auslöser, dieselben Körperteile und Proportionen, die schon unsere Urahnen anmachten, würden auch uns erregen. Das wollen uns zumindest die Hersteller der Pornografie glauben machen, wenn sie behaupten, sie kämpften gegen sexuelle Unterdrückung, Tabus und Ängste und für die Befreiung der natürlichen, verdrängten Sexualinstinkte.

Der Inhalt der Pornografie ist jedoch veränderlich und demonstriert die Entwicklung von erlernten Vorlieben. Vor dreißig Jahren verstand man unter „Hardcore-Pornografie“ üblicherweise explizite Darstellungen von Geschlechtsverkehr zwischen zwei erregten Partnern mit Bildern von Genitalien. Als „Softcore-Pornografie“ galten seinerzeit Darstellungen von Frauen auf einem Bett, am Schminktisch oder in semiromantischer Umgebung, deren mehr oder minder dünne Bekleidung den Blick auf die Brüste freigab.

Seither hat sich das Hardcore-Genre weiterentwickelt: Heute wird es weitgehend von sadomasochistischen Themen beherrscht und zeigt Vergewaltigungen, Ejakulationen ins Gesicht der Frauen und aggressiven Analverkehr. Hardcore-Pornografie folgt Drehbüchern, die Sexualität mit Hass und Erniedrigung vermischen und die Welt der Perversionen ausleuchten. Die Softcore-Pornografie von heute entspricht dagegen etwa der Hardcore-Pornografie von vor dreißig Jahren, Darstellungen von Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen werden heute im Kabelfernsehen ausgestrahlt. Die verhältnismäßig milden Softcore-Darstellungen von einst – Bilder von teilweise entblößten Frauen – werden heute zu allen Tageszeiten in den Massenmedien gezeigt, etwa in Musikvideos, Soaps und in der Werbung, die alles pornifizieren.

Die Wirkung der allgegenwärtigen Softcore-Pornografie ist besonders gravierend, da sie junge Menschen mit geringer sexueller Erfahrung und besonders formbaren Gehirnen beeinflusst, während diese ihre sexuellen Vorlieben und Bedürfnisse herausbilden. Doch auch im Fall von Erwachsenen kann die Pornografie tiefgreifende neuroplastische Auswirkungen haben, auch wenn den Konsumenten gar nicht klar ist, inwieweit sie auf ihre Gehirne einwirkt.

Dass Pornografie süchtig macht, ist keine bloße Redewendung. Sucht wird nicht nur durch Alkohol und Drogen ausgelöst. Menschen können ernsthaft spiel- oder sogar sportsüchtig sein. Suchtkranke verlieren die Kontrolle über eine bestimmte Aktivität, verfolgen sie trotz negativer Folgen zwanghaft, entwickeln eine Gewöhnung und benötigen zur Befriedigung immer höhere Dosierungen, und sie leiden unter Entzugserscheinungen, wenn sie der süchtigmachenden Tätigkeit nicht nachgehen können.

Pornoproduzenten versprechen gesunde Lust und die Erleichterung sexueller Anspannung, doch in Wirklichkeit erzeugt Pornografie oft Sucht, Gewöhnung und einen Verlust an Lust.

(aus dem Buch Neustart im Kopf von Norman Doidge, Textauszug aus dem Emma-Artikel „Neurologie: Pornographie macht süchtig“: emma.de)

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SEXUELLER MISSBRAUCH

Auch sexueller Missbrauch ist ein Thema, das nicht selten mit der Prostitution verknüpft ist. Menschen in der Prostitution erleben Vergewaltigung und Missbrauch in ihrer Arbeit und haben zum Teil auch bereits in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt.

Sexueller Missbrauch in der frühen Kindheit richtet großen Schaden an. Beispielsweise sind die Eltern, die eigentlich die Quelle der Versorgung, Liebe und Annahme sein sollen, gleichzeitig die Ursache für Schrecken und Schmerzen. Oder es ist der nette Nachbar oder Lehrer, dem die Eltern vertrauen und der doch „so etwas“ nie machen würde! Der Täter manipuliert und lässt das Opfer denken, es sei an dem Geschehenen selbst schuld. Wenn dann während des Missbrauchs bzw. bei einer Vergewaltigung auch noch der Körper reagiert, ist das Opfer verstummt vor Scham und Schuldgefühlen. Ein Zuhälter hat behauptet, seine „besten“ Frauen seien diejenigen, die in der Kindheit schon Sex mit Familienangehörigen hatten. Er sei etwas netter als diese und gleichzeitig gefährlicher und die Frauen würden alles für ihn tun.

In der Loverboy-Broschüre von Herzwerk, die mittlerweile in sechs verschiedene Sprachen übersetzt worden ist, wollen wir die Tricks und Fallen der sogenannten „Loverboy“-Masche aufdecken und jungen Menschen die Augen vor derartigen Gefahren öffnen. Opfern von sexuellem Missbrauch, die in unseren Augen Überlebende sind, wollen wir zurufen:

Ihr habt keine Schuld! Schweigt nicht länger, ihr seid nicht allein!

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