ÜBER UNS

Herzwerk
Der Verein Herzwerk wurde 2007 gegründet und arbeitet auf ökumenischer Basis.
Besonders wichtig für unsere Arbeit ist unser ganzheitlicher Ansatz: Wir begegnen nicht Prostituierten, sondern Menschen in Prostitution. Wir interessieren uns nicht nur für die Person in ihrer jetzigen Rolle als „Prostituierte/r“, sondern für ihre Geschichte, ihr jetziges Befinden sowie für ihre Wünsche und Träume für die eigene Zukunft.
Da unserer Erfahrung nach in vielen Fällen eine Zwangslage im Hintergrund steht, ist unser Fokus auf Zwangsprostitution und Menschenhandel ausgerichtet. Durch Vertrauensarbeit versuchen wir, Perspektiven aufzuzeigen und unterstützen und begleiten individuell. Wir versuchen, ein Self-Empowerment zu fördern und bei einem Ausstieg aus der Prostitution zu helfen, sofern dies gewünscht ist.

Herzwerk berät und betreut jedoch jede Person, die eine Beratung oder Betreuung wünscht, auch wenn sie in der Prostitution tätig ist und zurzeit nicht aussteigen möchte.

In unserer Arbeit ist ein gutes Netzwerk unabdingbar. Somit sind uns die guten Verbindungen zu Notunterkünften und Beratungsstellen, insbesondere in Ungarn, Tschechien, Rumänien, Bulgarien und Nigeria, besonders wichtig.

TÄTIGKEIT

Aufsuchende Sozialarbeit
Herzwerk-Teams sind jede Woche mehrmals am Straßenstrich, in Bordellen, Clubs, Studios und Laufhäusern in Wien und im Umland (NÖ, Grenzgebiet) unterwegs. Wir verteilen heiße Getränke und Schokolade sowie unsere Visitenkarten und die Einladung zu unserem Herzwerk-TreffPunkt. Wir stehen für Gespräche zur Verfügung und teilweise werden direkt Termine für begleitete Arztbesuche oder Beratungen ausgemacht.
Beratung und Betreuung
Zu unserem psychosozialen Angebot gehören neben Kriseninterventionen und Einzelberatungen unter anderem auch die Vermittlung in Deutschkurse, die Vermittlung und Begleitung zu medizinischen Angeboten für Nicht-Versicherte (z. B. Amber Med und Frauenarzt), die Begleitung zu verschiedenen Ämtern, darunter auch die Anmeldung zur Sozialversicherung und die Beratung bezüglich der 2016 eingeführten Registrierkassenpflicht.
Übersetzung können wir derzeit in folgenden Sprachen (teilweise durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen) anbieten:
• Englisch
• Rumänisch
• Ungarisch
• Spanisch
• Chinesisch
Jeden Donnerstagnachmittag findet der Herzwerk-TreffPunkt statt, wo Personen, die Gemeinschaft bei Kaffee und Kuchen oder Unterstützung und Beratung suchen auch ohne einen Termin vorbeikommen können. Für sonstige Termine, wie z. B. Arztbesuche, braucht es eine Terminvereinbarung.
Herzwerk bietet auch Ausstiegshilfe an. Wir vermitteln in eine sichere Unterkunft, unterstützen bei der Suche nach einer anderen Tätigkeit, helfen bei der Rückkehr ins Herkunftsland, sofern dies gewünscht ist, und stellen gegebenenfalls den Kontakt zu einer Partnerorganisation im Herkunftsland her. Unser Betreuungsangebot gilt langfristig – weit über den Ausstieg aus der Prostitution hinaus.
Hierzu gehört z. B. unser Self-Empowerment Training (SET). Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Prostitution erleben viele Personen spezifische Herausforderungen bei dem Einstieg in ein “normales” Berufsumfeld mit geregelten Arbeitszeiten, Leistungserwartungen, Teamarbeit etc. Zu den Trainingsinhalten gehören darüber hinaus Themen wie der Umgang mit Sexismus am Arbeitsplatz, Selbstwahrnehmung, Selbstbehauptung, Grenzen setzen uvm.
Öffentlichkeitsarbeit und Prävention
Zur Öffentlichkeitsarbeit von Herzwerk gehören Vorträge über Prostitution, Menschenhandel und die Arbeit von Herzwerk.
In Schulen sprechen wir auch präventiv über die Verbindung von Prostitution zu Pornographie und sexuellem Missbrauch, über die Rolle der Männer („ohne Nachfrage – kein Angebot“) und die sogenannte “Loverboy”-Methode (Loverboys sind junge Männer, die Mädchen die große Liebe vortäuschen, um sie später zur Prostitution zu zwingen).
Hierfür haben wir auch eine Broschüre erstellt, die mittlerweile in Deutsch, Englisch, Rumänisch, Ungarisch, Tschechisch, Bulgarisch und Chinesisch erhältlich ist. Sie dient der Aufklärung von Teenagern und Begleitpersonen über die Gefahren der „Loverboy“-Methode, sexuellen Missbrauch, Pornographie etc. Die Broschüre wird in Schulen im Inland und in der Arbeit mit marginalisierten Menschen in den Herkunftsländern genutzt.
In christlichen Kirchen und Gemeinden ist es uns besonders wichtig, die Rolle der Kirche und ihre Verantwortung zu betonen.
In diesem Sinne haben wir 2014 gemeinsam mit zwei anderen christlichen Organisationen auch das Schluss mit Schweigen (SMS)-Netzwerk gegründet. Unsere Vision ist, dass Frauen und Männer in der Kirche für sexuelle Werte und die Gleichberechtigung von Mann und Frau aufstehen. Mittlerweile gehören elf Organisationen zum SMS-Netzwerk. Alle von ihnen arbeiten in Bereichen rund um das Thema Sexualität, diese Bereiche sind sexueller Missbrauch, Pornographie, Menschenhandel/Zwangsprostitution und Sexualerziehung.
Advocacy
Unsere politische Arbeit bezieht sich vor allem auf die Interessenvertretung von Menschen in der Prostitution und Betroffenen von Zwangsprostitution und Menschenhandel auf nationaler und internationaler Ebene.
So sind wir beispielsweise Mitbegründer der Österreichischen Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel und sind Teil der EU Civil Society Platform against Trafficking in Human Beings, die zweimal jährlich in Brüssel zusammentrifft.
Research
Von Jänner 2017 bis Dezember 2018 war Herzwerk Mitglied im EU-geförderten Forschungsprojekt „BINI-Best practices in tackling trafficking Nigerian Route“, in dem wir zusammen mit anderen NGOs aus Italien, Malta, Spanien, Deutschland und Finnland forschten und bewährte Vorgehensweisen bei der Integration und sicheren Rückkehr Betroffener von Menschenhandel aus Nigeria erhoben.

Wie können Betroffene von Menschenhandel aus Nigeria und China durch spezialisierte NGOs und PraktierInnen im Integrationsprozess in Europa unterstützt werden? Diese Frage stand im Zentrum des EU-Projekts „Intersectional Approach tot he Process of Integration in Europe for Survivors of Human Trafficking“ (INTAP), das Herzwerk in 2019/2020 mit Projektpartnern aus Deutschland und Italien durchführte. Durch die Einbeziehung eines kulturell sensiblen, opferzentrierten, intersektionellen Ansatzes zielte das Projekt darauf ab, Hindernisse für die Integration zu überwinden und dauerhafte Lösungen für die Integration von nigerianischen und chinesischen Drittstaatsangehörigen zu finden.

Nach einem zweijährigen Forschungsprozess wurde das Projekt am 13. Oktober 2020 mit einer finalen Konferenz in Karlsruhe abgeschlossen.

GESCHICHTE

2007
» Vereinsgründung infolge eines ersten Informationsabends und überkonfessionellen Gebetstreffens für Menschen in Prostitution im Jänner in Wien

2009
» Herzwerk bekommt ein Büro
» Aufnahme der politischer Arbeit

2011
» Präventionsarbeit in Nigeria beginnt

2013
» Umzug des Büros in die Beheimgasse 1 im 17. Bezirk
» Beginn des Herzwerk-TreffPunkts
» Beginn der Teilnahme an der EU Civil Society Platform against Trafficking in Human Beings

2015
» Start des Bildungsprogramms „Education for Integration“
» Mitgründung der Österreichischen Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel
» Gründung des Schluss mit Schweigen (SMS)-Netzwerkes

2017
» Herzwerk feiert 10-jähriges Bestehen