Unsere Geschichte.

Wie es begann:

Begegnungen und eine brennende Frage.

Als Rachel Zuch 1989 nach Wien zog, fragte sie sich angesichts der vielen Bordelle, wer die Menschen hinter diesen Türen waren, denen sie tagtäglich begegnete. Die Suche nach Antworten führte sie schließlich zur Vision von Herzwerk: Menschen in der Prostitution ganzheitlich zu begleiten und ihre individuellen Bedürfnisse im Fokus zu haben. Von Anfang stand dabei der Mensch im Mittelpunkt mit der brennenden Frage: “Wenn alles möglich wäre, was würdest du dir für dein Leben wünschen?”

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Teilnahme 2006 an einem Infotag zum Thema „Prostitution und Menschenhandel“. Hier gewann sie noch mehr Kenntnisse über die Situation der Frauen und Männer, die in Wien in der Prostitution tätig waren.

Aus einer Vision entsteht mehr:

Der Startschuss für die Gründung.

2007 entstand aus einem Informationsabend zu Prostitution und Menschenhandel die Vision von Herzwerk: Menschen in der Prostitution ganzheitlich zu begleiten und gemeinsam Perspektiven zu entwickeln.

Mit regelmäßigen Besuchen am Wiener Straßenstrich begann die aufsuchende Arbeit, die bis heute ein zentraler Bestandteil von Herzwerk ist.‍ ‍

Wachstum:

Team und Engagement wachsen.

Mit der Eröffnung des ersten Herzwerk-Büros im Jahr 2009 entstand ein geschützter Ort für Beratung und Begleitung. Gleichzeitig wuchsen sowohl das Team als auch Herzwerks gesellschafts- und sozialpolitisches Engagement.

Viele der ersten Klientinnen stammten aus Nigeria und waren von Menschenhandel zur sexueller Ausbeutung betroffen. Durch den Aufbau lokaler und internationaler Netzwerke konnte Herzwerk konkrete Hilfe leisten und Präventionsarbeit in Nigeria kennenlernen und unterstützen.

2013 übersiedelte Herzwerk in größere Räumlichkeiten im 17. Bezirk. Dort entstand mit dem wöchentlichen „Treffpunkt“ ein niederschwelliges Angebot für Begegnung, Austausch und sozialarbeiterische Beratung ohne Anmeldung.

Es geht weiter:

Neue Ideen, ein Jubiläum und ein EU-Projekt.

Gleichzeitig weitete Herzwerk sein politisches Engagement aus: Als Mitglied der EU Civil Society Platform against Trafficking in Human Beings beteiligt sich der Verein seit 2013 am europäischen Fachaustausch. Zudem war Herzwerk 2015 an der Gründung der Österreichischen Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel beteiligt und ist seither dort als Gründungsmitglied vertreten.

Da Herzwerk viele nigerianische Frauen, die entweder noch in der Prostitution tätig waren, oder sich im Ausstiegsprozess befanden, betreute, begann parallel zum “Treffpunkt” das Bildungsprogramm “Education for Integration”. Dadurch konnte Herzwerk die Integration am Arbeitsmarkt von Betroffenen, die aussteigen wollten, noch gezielter unterstützen.

2017 feierte Herzwerk sein 10-jähriges Bestehen gemeinsam mit nationalen und internationalen Partner*innen. Im selben Jahr beteiligte sich der Verein am EU-Projekt BINIs (2017-2018), das die Situation nigerianischer Betroffener von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in Europa beleuchtete.

Projekte und Herausforderungen:

Weitere EU-Projekte

2019 folgte mit INTAP ein weiteres EU-Projekt zur Förderung der Integration von Betroffenen von Menschenhandel aus Nigeria und China.

Im Jahr 2020 traf die Corona-Pandemie die Menschen in der Prostitution mit voller Wucht: Viele hatten Existenzängste und meldeten sich mit Beratungs- und Unterstützungsbedarf. Dank großzügiger Spenden hilft Herzwerk bis heute mit Beratung, Lebensmittelgutscheinen und Second-Hand-Kleidung.

Unser drittes EU-Projekt EVI (2022-2023) unterstützte gemeinsam mit internationalen Partnern die Arbeitsintegration von AussteigerInnen aus der Prostitution und Betroffenen sexueller Ausbeutung. Im Fokus standen Begleitung, Vernetzung und der Weg in ein sicheres Arbeitsumfeld. Die Abschlusskonferenz fand 2023 in Nürnberg statt.